Freitag, 31. Mai 2013

Minimale Melancholie Mitte Mai
Gerade gießt es wieder in Strömen. Zuerst kommt der Wind. Tropensturm. Jedes Mal habe ich ein bisschen Angst, dass es gleich das Fenster aus den Angeln hebt oder die Palme hereinstürzt. Und dann lasse ich es doch offen, weil es so herrlich, ist endlich Luftzug und Wind zu spüren. Ein Hauch von frischer, nicht heißer Luft.
Ich liebe das.






Es wäre schön, wenn man die Dinge, die man eigentlich schon weiss, auch leben könnte. Wissen heißt nicht spüren. Ich weiss schon lange, dass es ein Jahr dauert, bis man sich zuhause und wohler fühlt. Ankommen dauert ein Jahr. Trotzdem habe ich gehadert und mich schlecht gefühlt mit den "Ups" und "Downs", die die Eingewöhnung hier mit sich bringt.

 Es braucht Zeit.






Warum kann ich mich in dem Augenblick , in dem das zwanzigste, glutenfreie Brot nicht gelungen ist nicht daran erinnern, dass ich nur abwarten, flach atmen und weitermachen muss, statt heulend vor dem thailändischen Backofen zu stehen. (Kann man sich Nerven wie Drahtseile noch mit über vierzig nachwachsen lassen?........)






Dinge, die ich schon erfahren habe, über die ich anderen erzählt habe, die ich weiss.
Ich wusste das es Zeit braucht.
Warum habe ich mich so aufgeregt?
Wir Menschen sind doch ein bisschen dumm.
Wie oft müssen wir etwas erfahren, um gelassener zu werden?









Das Jahr ist bald um und wenn es regnet ist es richtig schön.


Nur Mut, es geht schon gut!
Eure Tina
Leider verpasse ich die Spargelsaison. Meine kulinarischen Lieblingsmonate in Deutschland sind eindeutig Mai und Juni (Spargel+Erdbeeren!)
Eines meiner Lieblingsgerichte hier ist auch in Deutschland ein bekannter Klassiker der asiatischen Küche: Hühnchen mit Cashew Nüssen. Hier kommt das thaikochschulerprobte Rezept!







Hähnchen mit Cashewnüssen

(für 1-2 Personen)


Zutaten:
- 80 g kleingeschnittenes Hühnerfleisch
- 40 g geröstete Cashewnüsse
- 40 g gehackte Möhren
- 1/2 gehackte mittelgroße Zwiebel
- 2 getrocknete, geröstete Chilis (die kleinen Fiesen!), ohne Kerne
- 1 kleingeschnittene Frühlingszwiebel
- 20 g gehackte Champignons
- 2 EL Sojaöl
- eine Prise Salz
- 1EL Fischsauce
- 1/2 EL Zucker (möglichst Palmzucker)
- 1EL Austernsauce
- 2 EL Wasser

Das Hühnchen kann auch durch Tofu ersetzt werden.



Nicht wundern! Dieses Stilleben zeigt andere Zutaten!

Zubereitung:
Das Öl in der Pfanne oder im Wok erhitzen und das Hühnerfleisch anbraten bis es goldbraun gefärbt ist.
Möhren, Zwiebeln, Pilze und Wasser hinzufügen. Fast zum Kochen bringen.
Austernsauce, Fischsauce, Palmzucker, Salz und Frühlingszwiebeln hinzufügen.
Erhitzen und gut vermischen. 
Am Schluss nur noch Cashewnüsse und die Chilis hinzufügen, gut durchmischen und mit 
Reis servieren.







Das Gemüse nach Geschmack garen. Ich finde es am schönsten, wenn es möglichst kurz gegart und knackig aus dem Wok kommt.
Ein unterschätztes Geheimnis der Thaiküche sind meiner Meinung nach gar nicht die Fisch- und Sojasauce, sondern der Palmzucker!
Feucht oder trocken anzuwenden. Die Süße ist ein bisschen caramellig und besitzt einen (leider) starken Suchtfaktor!
Mit den Chilis ist es so:
Der Farang nimmt eine, der erprobte Farang nimmt vier, die Thais nehmen 10!!!!!!!!!!
Mein Tip: lieber vorsichtig anfangen!






Viel Spaß beim Kochen

Nur Mut, es geht schon gut

wünscht Euch Eure TIna


Mittwoch, 29. Mai 2013




Wie überall, wo Menschen miteinander leben gibt es Vorurteile und Klischees. Für uns interessant ist, das diese sich verändern, jetzt wo wir auf dem anderen Kontinent sind.
Unsere alten Vorurteile und Klischees  haben mit türkischen Mitbürgern, polnischen Putzfrauen, lispelnden Asiaten, hyperaktiven kaugummikauenden Amerikanern etc. zu tun.








so sieht die angekommene Post aus

Kommen wir irgendwohin, sind wir wahlweise die bösen, verkniffenen, fleissigen oder spießigen Deutschen.




Autowäsche während des Shoppings

In Thailand hört sich das Ganze dann so an:

Hier treffen wir auf die Bergstämme, die von den Thais allen Ernstes oft als " das Ungeziefer aus den Bergen" bezeichnet wird. Diese Ablehnung kommt noch aus der Zeit des Opiumhandels, als die Schmuggel- und Vertriebswege mit China über die Berge und die dort lebenden Minderheiten abgewickelt wurden.
Chinesen sind für Thais außerordentlich harte, kalte, unentspannte Worcoholics, die außerdem noch eine schlechte, zu fettige Küche pflegen.
Die Farangs übernehmen dies teilweise. Ist ein Thai geschäftstüchtig und fleißig heißt es : "der hat wohl eine chinesische Großmutter...."
Die Farangs finden die Bergstammleute arbeitsamer und ordentlicher  als die Thais. Unnötig noch zu erwähnen, dass Farangs über Thai denken, dass die nur im Schatten sitzen, keine Arbeit richtig zu Ende machen und überhaupt nur kommen, wenn mindestens noch fünf andere Thais da sind und es ein bisschen Spaß (Sanuk) gibt.
Farangs sind aus Thaisicht selbstverständlich irgendwie komische Leute, die ohne Ausnahme superreich sind und alles viel zu verbissen sehen.



Diese Früchte heißen übrigens Farang!

Sie schmecken wie leicht unreife Birnen


Mein Vermieter z.B. ist ein wahnsinnig netter, zuvorkommender und gebildeter Thai. Sehr stolz auf sein Vermögen und seine Häuser. Er hat das schönste und beste Haus (natürlich).
Mich, hält er für eine komplette Idiotin.
Und das war so:
Eines schönen sonnigen Tages bei wie üblich 36 Grad im Schatten explodierte der Durchlauferhitzer, während mein Mann duschte. Glücklicherweise ist dieser über der Badewanne angebracht und nicht wie überall sonst im Haus direkt in der Dusche!
Es knallte also, der Kaltwasserschlauch sprang ab und es roch verbrannt.






Unser Vermieter möchte immer informiert werden und dann mit seinen eigenen Handwerkern Probleme lösen ("my People, you can trust!"), was wir als große Serviceleistung schätzen. Er ist auch immer sofort da, wenn es irgendwelche Fragen gibt. In diesem Fall konnte er nicht sofort, weil er auf dem Weg nach Bangkok war,   um mit der Familie chinesisches Neujahr zu feiern (merke: chinesisches Blut in den Adern........)
Kein Problem, wir haben hier ja noch zwei weitere Duschen.

Nach drei Tagen kam er dann während ich allein zuhause war, freundlich entschlossen mit einer großen Zange in der Hand und besah sich den Schaden. Fuhr wieder weg in den Baumarkt um einen neuen Schlauch zu kaufen. Nicht ohne mir zu erklären, dass dieser Fall eigentlich gar nicht hätte eintreten können, da es sich nämlich um ein DEUTSCHES WERTARBEITSPRODUKT handeln würde. Das Beste was man in Chiangmai überhaupt bekommen kann. Nur das Beste für seine Häuser und seine Mieter.Verständnisvoll schüttle ich mit ihm zusammen den Kopf darüber, was aus der guten deutschen Wertarbeit geworden ist.
Als er wieder kommt mit einem neuem Schlauch (hatte noch Garantie), staune ich, weil er den einfach wiederanschrauben will an das ex- und implodierte Gerät. Ich erkläre ihm nochmals sehr geduldig, das das Ding explodiert sei und es auch verbrannt gerochen hätte. Freundliches Lächeln.
...
Als Frau ist man solches Verhalten von Männern ja gewöhnt, aber was dann kam hat mich für alles entschädigt.

Nachdem er mir erklärte, dass die Situation gar nicht gefährlich war, weil es sich um den Kaltwasserzugang gehandelt hätte, schraubt er zu Ende und macht einen Test. Ich gehe in Deckung und das ganze Ding fliegt uns wieder um die Ohren.
Deutsche Wertarbeit! Ha, der Schlauch war ja gar nicht schuld.
Durch die Explosion etwas beschmutzt, aber nicht beschädigt, begreift mein Vermieter, das vielleicht doch jemand kommen muss, der sich damit auskennt und dass das komplette Gerät ausgetauscht werden sollte.
Hab ich doch gesagt...................
Aber ich bin ja nicht nur eine Frau, ich bin Frau+ Farang.
(Dumdidum)
Hab' ich innerlich gelacht. als das Ding zum zweitenmal explodiert ist.
Gelten Deutsche eigentlich auch als schadenfroh? Ich fühlte mich eher "rehabilitiert".










So ist es hier wie anderswo, nur die Darsteller der Klischeeschubladen sind ausgetauscht.




Dabei ist es doch so einfach:

LEBEN UND LEBEN LASSEN!









und weiter Witze machen über die komischen "Anderen".

Nur Mut, es geht schon gut
Eure Tina


Dienstag, 21. Mai 2013

Jetzt haben wir leider auch ein Krankenhaus von innen gesehen. Und wie das immer so ist, gleich zwei Mal nacheinander. Wir sollten über einen Rabatt nachdenken.
Es begann damit, dass unsere Jüngste nachts derart kruppartig keine Luft mehr bekam, dass wir beschlossen wieder aufzustehen und das Ramhospital aufzusuchen. Von allen Krankenhäusern hier, heißt es immer das Ram sei das modernste und beste der Stadt, mit englischsprechendem Personal. Alle Ausländer empfehlen das Ram. Selbstverständlich ist es auch das Teuerste. Es heißt immer: "wenn Du wirklich etwas hast, musst Du ins Ram gehen."




Es gibt ja Leute, die so gut organisiert sind, dass sie sich in mehreren Krankenhäusern für den Fall der Fälle schon haben registrieren lassen. Hier ist es nämlich so, dass man zuerst an einen Schalter geht , um sich als "Krankenhauskunde" registrieren zu lassen. Das heisst, Du zeigst deinen Pass, schreibst auf wo du wohnst, gibst deine Telefonnummer an und deine Krankenversicherung. Ist ja klar, im Prinzip füllst du das Formular aus für deine Chipkarte.
Wir sind leider nicht so gut organisiert, so dass wir mit dem röchelnden Kind auf dem Arm, erstmal die Formalitäten erfüllen müssen. Dabei gibt es ein typisches, auch sprachlich bedingtes Missverständnis. Die bräsige Dame hinter dem Verwaltungsschalter bearbeitet die Registrierung für mich, statt für das Kind auf meinem Schoß. Ist ja klar: ich schleppe immer meine schlafenden Kinder mit, wenn ich nachts in die Notaufnahme gehe. Super! Ich bemerke den Fehler, als man mich auffordert mich hinten anzustellen in einer langen Reihe von wartenden Farangs. Etwa 20 Leute. Ich gehe zurück zum Schalter und sage: Entschuldigung ich bin nicht meinetwegen hier, wir sind wegen des Kindes hier, sie bekommt keine Luft. Jetzt kommt etwas Bewegung in die Sache, M. röchelt leise vor sich hin und wir werden in eine Behandlungsnische geschoben, vorher misst eine männliche Krankenschwester, wirklich "Schwester", den Sauerstoffgehalt in M.'s Finger. Ein ziemlich phlegmatischer oder sehr müder, leicht schäbiger großer junger Arzt (hoffentlich) kommt herein und hilft uns weiter. Endlich.

Ich muss zugeben, dass ich überrascht davon bin, wie vertrauenerweckend so ein blöder weißer Kittel samt Doktorschildchen ist. Ich weiss ja auch, dass den jeder Idiot überziehen kann, aber es hat doch etwas kolossal beruhigendes, bzw. man fühlt sich nicht so gut, wenn so ein verpennter langer Lulatsch vor einem herumdenkt, der ein schäbiges rosa Hemd anhat.
In Deutschland hätten wir uns auf den Balkon gesetzt und kalte Luft eingeatmet, aber hier bekommst Du ja draußen erst recht keine Luft. Es gibt keine Abkühlung. Außerdem war die Situation neu für uns. Bisher hatten wir noch keine Krupperfahrungen. Wir dachten, wir fahren ins Krankenhaus, bekommen irgendein abschwellendes Medikament und gut ist.
Jetzt kann M. erst einmal richtig inhalieren, mit so einer Maske die über Mund und Nase geht. Und das hilft uns wirklich weiter. Der Doktor empfiehlt uns im Krankenhaus zu bleiben. Wir möchten das aber möglichst nicht. Zumal es schon besser geht. Wir hoffen auf ein Medikament, und dann wollen wir wieder nach Hause. Auch da gibt es wieder ein Missverständnis. Das Medikament wird besprochen. Die Dosierung, die Art der Verabreichung (wenn es geht lieber oral, da M. sich bei Spritzen immer so aufregt, dann bekommt sie wieder schlechter Luft...-erklär das alles mal mitten in der Nacht auf Englisch einem ebenso halb englischsprechenden müden Gegenüber.)
Dann werden wir nach oben geführt und denken jetzt gibt es die Medizin. Nein, wir sollen ein Zimmer beziehen. Neue Diskussionen. Mitleidige Krankenschwestern, diesmal weibliche.
M. geht es schon viel besser, sie beginnt die Spielecke umzubauen. Das war wirklich schick. Eine ganz tolle nagelneue Spiellandschaft auf dem Stationsflur. Trotzdem möchten wir nicht übernachten. Gehen wieder runter. Warten. Auf das Medikament. Gehen zur Apotheke. Kaufen die Medizin und bezahlen die Behandlung.
Dazwischen Warten Warten Warten. Zum Glück läuft ein Fernseher. Zuerst sehen wir "Rapunzel neu verföhnt", dann einen Film mit Keira Knightley. Ich bin so müde. Endlich können wir gehen. M. bekommt einen Termin für den nächsten Tag zur Untersuchung und Kontrolle.
Es ist zwei Uhr nachts, nach vier Stunden können wir endlich wieder nach Hause.

Am nächsten Tag lernen wir die "Kinderpraxis" des Krankenhauses kennen.
Ein hypermodernes Raumschiff! Silberne Sofas, ein begehbares Spielraumschiff, futuristische Klettertiere, auch hier mehrere laufende Bildschirme und diverse Schalter von Verwaltung, Kasse etc.






Vier verschiedene Typen von Personal laufen herum. Rosa Kittel mit Häubchen. Das Häubchen macht die fertige Krankenschwester aus. Rosa Kittel ohne Häubchen. Alle aber mit Zopf und großer Schleife!
Und das Beste: türkis und weiß gekleidete "Hostessen". Sehen sehr edel aus, wie Stewardessen einer sehr gehobenen Fluglinie, zu 98% in High Hehls! Die Bedeutung und Aufgabe dieser Damen erschließt sich mir nicht . Von allen Gruppen gibt es sehr viele. Anscheinend sind die Stewardessen dazu da uns vom Warteraum abzuholen, ins Arztzimmer zu bringen, die Anweisungen des Arztes zu hören und uns wieder hinaus zu geleiten. Die Verwaltungsdamen habe ich noch vergessen. Die tragen weiße, buntgestreifte Blusen und sitzen hinter den Computern. Der Einruck insgesamt ist sehr stylish und modern. Ich fühle mich wie in einer Science Fiction Serie. 
Von den vielen Damen fällt ein rosa Kittel besonders auf. Sie arbeitet sehr viel. Alle anderen sind sehr schön und sehr wichtig. Man kann das in Thailand oft beobachten. Auf jeder Baustelle, in jedem Restaurant. Auffälliger als bei uns. Zwei arbeiten, fünf sehen zu. Das ist aber in Ordnung. Sie scheinen es sich in keinster Weise übel zu nehmen. Ich vermute/hoffe sie wechseln sie sich ab.
Der Praxisbesuch macht Spaß! Irgendwie ist das im Gegensatz zu gestern Nacht super organisiert. M. geht es wieder besser. Sie braucht keine weitere Behandlung.





Am nächsten Tag wird unser Zweitkläßlersohn in der Fußballpause von einem Jungen aus der 7. Klasse "abgeschossen", verliert kurz das Bewußtsein und fällt blöd aufs Kinn. Was ich am Anfang für eine Schürfwunde gehalten habe, ist ein ganz schöner Spalt und ich schicke meine beiden "Männer" wieder ins Ramhospital zum Kleben.
Es gibt ja Leute, die sind so gut organisiert, dass sie Klebepflaster zu Hause haben..............
Nächstes Mal habe wir welche.
Ich kann allen Auswanderern nur empfehlen als Ehefrau eine Ärztin oder Krankenschwester mitzunehmen. Außerdem dringend gesucht: Logopäden, Physiotherapeuten, Friseure.............
Musiker können im Prinzip zuhause bleiben.

Trotzdem: Nur Mut, es geht schon gut
Eure Tina